3. November 2021

Elektro-Durchlauferhitzer mit PV-Strom nutzen?

Durchlauferhitzer Bild News

Elektrische Durchlauferhitzer gelten allgemein als energieeffizient. Grund dafür ist, dass die Wärme erst im Moment des Wasserverbrauchs erzeugt wird und kein verlustbehafteter Wärmespeicher erforderlich ist. Ist das aber wirklich so?

 

Betrachtet man den benötigten hohen Leistungsbedarf zum Zeitpunkt der Nutzung, so passt die Technologie des Elektro-Durchlauferhitzers leider keineswegs mit Photovoltaikanlagen zusammen. Diese produzieren Energie tagsüber, wenn in der Regel wenig Warmwasser benötigt wird. Selbst wenn die schwankende Erzeugung und der Warmwasserbedarf zeitlich zusammenfallen, steht meist nicht ausreichend Leistung zur Verfügung, um die Wärme ohne Bezug aus dem Stromnetz zu erzeugen. Sprich: Eine Photovoltaikanlage produziert bei Bedarf nicht unbedingt die gesamte benötigte Leistung für den Betrieb des elektrischen Durchlauferhitzers.

 

Ist ein Elektro-Durchlauferhitzer energetisch sinnvoll?

Ein kleines Rechenbeispiel: Wenn Sie im Durchschnitt fünfmal in der Woche duschen, dann verbrauchen Sie rund 375 Liter Wasser – wenn wir von einem Verbrauch von 75 Liter pro Duschvorgang ausgehen. 18.000 Liter Wasser pro Jahr, das erwärmt werden muss.

Anders als Heizstäbe mit Warmwasserspeichern, die eine große Menge Wasser erhitzen und warmhalten, erwärmt ein Durchlauferhitzer das benötigte Wasser direkt beim Öffnen des Warmwasserhahns. Schnell heißes Wasser auf „Knopfdruck“? Das bedeutet einen hohen Stromverbrauch.

Ältere Durchlauferhitzer, bei denen die Wassertemperatur hydraulisch in mehreren Stufen geregelt wird, sind natürlich anders als modernere Geräte, die sich ganz genau einstellen lassen und bei weitem effizienter arbeiten. Dennoch zum Zeitpunkt ihrer Nutzung benötigen Durchlauferhitzer eine Menge Strom.

 

Vor- und Nachteile beim Elektro-Durchlauferhitzer

Elektrische Durchlauferhitzer sind aber keinesfalls einfach schlecht. Sie haben Vor- und Nachteile, wie andere Geräte auch.

Vorteile eines elektrischen Durchlauferhitzers:

  • Keine Wärmeverluste: Da Durchlauferhitzer über keinen Warmwasserspeicher verfügen, können auch keine Energieverluste auftreten, wenn dieser nicht genutzt wird. Da diese Erhitzer zudem meist sehr nah an der Verbrauchsstelle verbaut sind, geht auch über die Leitung kaum Wärme verloren.
  • Unbegrenzt Warmwasser: Durchlauferhitzer bieten unbegrenzt Warmwasser, denn es wird beim Durchlaufen erhitzt.
  • Kompakte Bauform: Da Durchlauferhitzer keinen Speicher benötigen, sind sie klein und kompakt und lassen sich nahezu überall integrieren.
  • Kein Legionellenproblem: Legionellen (Bakterien, die unterschiedliche Krankheiten hervorrufen können) mögen warmes, stehendes Wasser. Ein Problem, das bei Warmwasserspeichern auftreten kann, nicht aber bei Elektro-Durchlauferhitzern.
  • Niedrige Anschaffungskosten: Ein Durchlauferhitzer lässt sich meist schnell, günstig und einfach installieren.

 

Nachteile eines elektrischen Durchlauferhitzers:

  • Hohe Stromkosten: Wasser schnell und effektiv mit Hilfe von Strom zu erhitzen, verursacht hohe Kosten.
  • Hoher Primärenergieverbrauch: Kraftwerke haben bei der Stromproduktion unterschiedliche Wirkungsgrade, das heißt, dass ein Teil der Energie nicht der Nutzung zugeführt werden kann. Auf dem Weg durchs Stromnetz geht weitere Energie verloren. Das gilt sicherlich nicht nur für Durchlauferhitzer, sondern für alle Elektrogeräte, die eine Stromzufuhr benötigen.
  • Kein günstiger Nachtstrom: Durchlauferhitzer können mangels Speicher keinen günstigeren Nachtstrom nutzen.
  • Schlechte Regelbarkeit: Hydraulisch gesteuerte Durchlauferhitzer produzieren erst dann Warmwasser, wenn ausreichend Wasserdruck vorhanden ist. So kann es passieren, dass es beim Duschen plötzlich kalt wird, weil an einer anderen Stelle, z.B. am Wasserhahn in der Küche, warmes Wasser entnommen wird.

 

Wer Wasser spart, spart Strom – aber muss man das?

Eines ist klar: Je weniger warmes Wasser wir benötigen, desto weniger muss vom elektrischen Durchlauferhitzer erwärmt werden und desto weniger Energie wird verbraucht. Die gängigen Regeln für weniger Warmwasserverbrauch helfen also auch beim Strom sparen. 

  • Lassen Sie Wasser nicht ungenutzt laufen
  • Duschen Sie statt zu baden
  • Verwenden Sie wassersparende Duschköpfe
  • Vermeiden Sie händisches Vorspülen von Geschirr, wenn Sie einen Geschirrspüler nutzen

Wasser zu sparen ist sicherlich immer eine gute Idee, denn es ist ein kostbares Gut. Aber Strom? Müssen wir wirklich Strom sparen?

 

Strom sparen kann man, muss man aber nicht

Immer wieder werden wir mit der allgemeinen Haltung konfrontiert, dass wir – als Gesellschaft – mit Strom bzw. Energie sparsam umgehen müssen. Wir sollten nachhaltig und ressourcenschonend agieren.

Wir bei my-PV weisen jedoch gerne darauf hin, dass dieser Anspruch nur dann richtig ist, wenn man nicht von Photovoltaikstrom spricht. Schließlich steht uns Sonnenenergie so gut wie immer zur Verfügung und wird, zumindest zu unseren Lebzeiten, auch nicht „ausgehen“. Auch Professor Timo Leukefeld, der bei der Eröffnung unseres neuen Firmengebäudes die Keynote hielt, plädiert für einen intelligent verschwenderischen Umgang mit Solarenergie. >> Hier gehts zum Vortrag von Timo Leukefeld.

Wer seine Energieversorgung auf Solarstrom aufbaut und seinen Eigenverbrauch maximal erhöht, muss sich um das Stromsparen keine Sorgen mehr machen. Dennoch sind Elektro-Durchlauferhitzer im solarelektrisch betriebenen Haushalt eine suboptimale Lösung.  

 

Elektro-Durchlauferhitzer oder doch Wärmespeicher?

Wenn der hauseigene Strom mittels Photovoltaikanlage produziert wird, ist ein Speicher für die Wärme erforderlich, welcher – ähnlich einer Batterie – die Energie der Tagesproduktion aufbewahrt. Dazu reicht schon ein ganz einfacher Warmwasserboiler. Wird dieser entsprechend der Photovoltaikerzeugung per regelbarem E-Heizelement erwärmt, so steht photovoltaisch erwärmtes Warmwasser auch morgens und abends zur Verfügung, also genau dann, wenn es üblicherweise benötigt wird. Verbrauchsspitzen werden dabei vom Energieinhalt des Warmwasserspeichers abgefedert.

Das Konzept bedeutet natürlich, dass Wärmeverluste über die Speicheroberfläche auftreten. Diese stehen jedoch in keiner Relation zu dem nicht PV-gedeckten Strombedarf, den Elektro-Durchlauferhitzer zum Zeitpunkt ihrer Nutzung mit sich bringen.

 

Kostenvergleich Elektro-Durchlauferhitzer vs. Warmwasserspeicher

Für ein typisches Einfamilienhaus mit Warmwasserbedarf für 4 Personen, einem 400 Liter Boiler, einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh und einer 5 kWp Photovoltaikanlage sprechen folgende Zahlen für sich.

So beläuft sich der jährliche Wärmeverlust des Warmwasserspeichers zwar auf etwa 600 kWh, jedoch ist der Strombezug aus dem öffentlichen Netz bei dieser Lösung um 1.500 kWh geringer als bei einem elektrischen Durchlauferhitzer. Aus technischer Sicht eignen sich ein Durchlauferhitzer daher zwar gut für Nebenzapfstellen, bei denen kurzzeitig nur geringe Warmwassermengen verbraucht werden, beispielsweise in der Küche oder beim Handwaschbecken im WC, jedoch nicht um den Hauptbedarf im Badezimmer bereitzustellen.

Fügt man diesen Ergebnissen noch eine wirtschaftliche Betrachtung unter Berücksichtigung von Strompreis und Einspeisevergütung hinzu, so ergibt sich für Österreich* beim geregelten Heizstab zudem eine jährliche Einsparung von 220 Euro bei den Betriebskosten im Vergleich zum Durchlauferhitzer. In Deutschland** liegt der Preisvorteil pro Jahr bei zirka 240 Euro.

Insgesamt somit ein klares Ergebnis zugunsten geregelter Heizstäbe, sowohl in puncto Nachhaltigkeit als auch bei der wirtschaftlichen Betrachtung!

* 20 ct/kWh Bezug, 4 ct/kWh Einspeisevergütung

** 30 ct/kWh Bezug, 10 ct/kWh Einspeisevergütung

 

  Durchlauferhitzer Grafik gross 1

 

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