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Fachhaendler

14. Juni 2021

Vollmachen bitte – das Dach, nicht die Freiflächen!

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Beim Photovoltaik-Ausbau kann man auch einiges falsch machen – zum Beispiel mit dem Verbau von Freiflächen und Ackerland.

Der Photovoltaik-Ausbau nimmt weiterhin Fahrt auf und das ist gut. Aber: Sowohl bei der Photovoltaik als auch bei der Solarthermie zeigt sich in Österreich jüngst ein neuer Trend zu großen Freiflächenanlagen. Die alte Bauernweisheit „Teller – Trog – Tank“ für die Prioritäten bei der Nutzung wertvollen Ackerlandes scheint damit im Moment leider vergessen – vorerst!

 

Photovoltaik-Freiflächen – Brauchen wir sie wirklich?

Aufgekeimt ist die Diskussion in diesem Frühjahr im Burgenland in Österreich. Geht es dort nach den Plänen der roten Landesregierung und nach dem Energieversorger Energie Burgenland, so sollen in 17 Kommunen auf einer Fläche von 1.300 Hektar neue Photovoltaikanlagen errichtet werden.

 

Sehr zum Missfallen der dortigen Opposition. Die Grünen sehen die Ausbaupläne der Energie Burgenland kritisch. Sie befürchten unter anderem einen massiven Eingriff in das Landschaftsbild und bezichtigen den Energieversorger kommerzielle Interessen über die Ökologie zu stellen. Dabei besagt das Raumordnungsgesetz ohnehin, dass PV-Anlagen vorrangig auf bestehenden Dachflächen zu errichten sind. Rückendeckung erhalten die Grünen dabei von der ÖVP. Der Türkise Energiesprecher des Burgenlandes fordert die Landesregierung auf, "wertvolles Ackerland für Lebensmittel zu belassen und vorrangig PV-Anlagen auf öffentlichen und privaten Dächern zu errichten“.

 

Ähnlich objektiv sieht das der oberösterreichische Agrar-Landesrat, ebenfalls ÖVP. Im Unterschied zum Burgenland ist seine Partei im Land ob der Enns derzeit allerdings in Regierungsverantwortung: „Die heimische Landwirtschaft bekenne sich zur Energiewende und zum Ausbau der Photovoltaik, aber diese dürfe nicht zu Lasten der agrarischen Flächen gehen.“ In einem Plädoyer für den Schutz des Bodens und gegen weitere Versiegelung wird auch darauf hingewiesen, dass im Zuge des Klimawandels österreichweit bis 2065 eine Reduktion der landwirtschaftlichen Ertragsfähigkeit von 19 Prozent zu erwarten ist. Für die Ernährungssouveränität müsse es daher im eigenen Interesse liegen, die Agrarflächen für die Lebensmittelproduktion zu behalten und stattdessen „tote Flächen“ wie Dächer oder Flächen, die bereits bebaut sind, für die Solarstromgewinnung heranzuziehen. Eine Meinung, die laut einer Umfrage auch von 94 Prozent der Bevölkerung geteilt wird. Zudem ist Österreich in puncto Bodenverbrauch aktuell negativer Spitzenreiter in Europa. Tag für Tag wird hierzulande eine Fläche von 20 Fußballfeldern zugebaut.
 

 

Photovotaik-Ausbau: Dachflächen maximal nutzen

Bereits im Jahr 2019 forderte my-PV daher, alle Dachflächen im Neubau, vor allem bei gewerblichen Objekten, von Haus aus für die Nutzung zur Solarstromproduktion zu dimensionieren und die Bauordnungen dahingehend anzupassen. Es ist eine traurige Tatsache, dass selbst leichte Photovoltaikmodule oft zu schwer sind, um auf großen Dachflächen installiert zu werden.

Befürworter von PV-Freiflächenanlagen weisen zwar darauf hin, dass bei der Errichtung nur 1 Prozent des Bodens versiegelt wird, wenn man auf Fundamente verzichtet. Nichts desto trotz steht der Boden ab diesem Moment aber nicht mehr als Ackerland zur Verfügung und Konzepte wie „Agrophotovoltaik“, die einen Doppelnutzen der Fläche versprechen, sind derzeit noch im Versuchsstadium.

 

Solarthermie-Freiflächen – Der letzte Hoffnungsschimmer einer überholten Technologie

Ein paar Lebensgeister hat sie noch, die Solarthermie. In Wohnhäusern hat ihr die photovoltaische Wärmeerzeugung durch die drastisch vereinfachte Systemtechnik in den letzten Jahren nahezu komplett den Rang abgelaufen. Zudem ist ein technologieunabhängiges Wärmeerzeugungssystem die Grundvoraussetzung der sogenannten Sektorkopplung. Nur so können nämlich die Energiesektoren Strom, Wärme und Mobilität in unseren Wohnhäusern zusammengeführt werden, weil damit der Transit von erneuerbarer Energie von dem einen in den anderen Bereich möglich ist.

Technisch kommt außerdem noch hinzu, dass Photovoltaikmodule durch ihr deutlich geringeres Gewicht eher der statischen Tragfähigkeit der Dächer entsprechen als schwere Kollektoren und Rohrleitungen. Zudem hat sich der Preis für Solarthermie seit Jahren praktisch kaum verändert. Grund dafür sind Rohstoffe wie Kupfer und Aluminium, die nach wie vor in großen Mengen bei der Herstellung verwendet werden. Dagegen hat sich ein wahrer Preissturz bei der Photovoltaik vollzogen.

 

  Kostenverlgeich

Photovoltaik-Ausbau: Deutlich günstiger als Solarthermie

 

Ihr ist es mittlerweile gelungen, zur kosteneffizientesten Energiequelle überhaupt zu werden. Kein anderer Kraftwerkstyp kann so günstig Strom erzeugen.

 

Als das letzte verbliebene Anwendungsfeld für Solarthermie werden daher Großanlagen propagiert. Doch ohne lebenserhaltende Maßnahmen in Form von staatlichen Zuschüssen ist die Technologie auch in diesem Maßstab finanziell nicht tragbar. So wurden Anfang Mai 2021 vom österreichischen Klima- und Energiefonds 45 Mio. Euro Förderbudget für Anlagen ab 5.000 Quadratmeter Kollektorfläche aufgelegt.

 

Bereits seit über zehn Jahren, schon seit 2010, versucht man den thermischen Großanlagen hierzulande dadurch zum Durchbruch zu verhelfen. Für kleinere Anlagen gibt es auf Bundes- und Landesebenen aber sogar schon viel länger Förderprogramme. Als „Zombieförderung“ wurden diese Zuschüsse daher auch schon bezeichnet, denn wenn eine Technologie trotz finanzieller Unterstützung keinerlei Weiterentwicklung vorweist, d.h. ewig gefördert werden muss, kann man im Grunde gleich aufhören.

Schon die Indianer waren weise genug abzusteigen, wenn sie bemerkt haben, dass das Pferd, auf dem sie reiten wollten, schon tot ist und in Zeiten von milliardenschweren Corona-Hilfspaketen wären die Steuergelder anderweitig eingesetzt wohl weniger verschwendet.

 

Warum aber auch beim Photovoltaik-Ausbau diese falsche Stoßrichtung auf die Freiflächen?

Im Interessensverband der Photovoltaikbranche „PV-Austria“ sind mittlerweile 6 von 12 Vorstandsmitglieder entweder direkt bei einem Energieversorger beschäftigt, sind ehemalige Führungskräfte, arbeiten bei einem Tochterunternehmen eines Energieversorgers oder das eigenen Unternehmen ist an einem solchen beteiligt. Die Marschrichtung der Branche ist somit vorgegeben. Es gilt die eigene Monopolstellung zu wahren und die Konsumenten weiterhin in der Abhängigkeit zu belassen.

Aber nicht nur Stromanbieter haben die Chancen, die Freiflächen-Photovoltaik für die eigene Marktherrschaft bietet, erkannt. Auch Mineralölkonzerne haben mit dem herannahenden Ende des fossilen Zeitalters hier ein neues Geschäftsfeld ins Visier genommen. So soll Solarstrom beispielsweise zur Erzeugung von „grünem“ Wassersstoff eingesetzt werden. Auch in diesem Fall bliebe so die Abhängigkeit der Verbraucher von einem zentralen Versorgungssystem gewahrt.

Denn wenn unsere Energie auch in Zukunft aus zentralen Kraftwerken stammt, dann kann die Umstrukturierung des Versorgungssystems vielleicht noch ein klein wenig hinausgezögert werden. Verhindert werden kann sie so glücklicherweise aber auch nicht!

 

Wohin die Reise stattdessen gehen wird

Von der Verbauung der Böden würden nur einige wenige profitieren, allerdings auf Kosten der Gesamtgesellschaft. Dabei besteht auf Österreichs Dachflächen ein riesiges, zum größten Teil völlig brachliegendes Potential für Photovoltaik. Einigkeit besteht im Burgenland dazu zwischen den Grünen und der ÖVP. Rückendeckung erhalten die türkisen aber auch von ihren Parteikollegen in Ober- und Niederösterreich.
 

Um dem Klimawandel zu begegnen muss der Umstieg auf Erneuerbare erfolgen. Aber dies darf nicht zu Lasten der heimischen Böden, der eigenen Souveränität bei der Lebensmittelversorgung oder der Ökologie insgesamt gehen. Aktuell sind in Österreich etwas mehr als 2 GWp Photovoltaik-Leistung installiert. Zur Erreichung des Ausbauzieles von 15 GWp im Jahr 2030 bedarf es also noch mehr als einer Versiebenfachung. 10.000 Hektar sind dazu erforderlich. Laut einer EU-Studie haben wir in Österreich aber rund 15.000 Hektar Dachflächen für Photovoltaik zur Verfügung, in erster Linie auf den privaten Dächern.

Dadurch wird kostbares Ackerland verschont und die Marktmacht der Energieversorger verschiebt sich hin zu den Konsumenten, die dann als „Prosumer“ aber gleichzeitig auch Energieerzeuger sein werden. Hermann Scheer, einer der Urheber des Erneuerbare-Energien-Gesetzes in Deutschland, hat es im Dokumentarfilm „Die 4. Revolution“ einmal so ausgedrückt: „Wir stehen vor dem größten Strukturwandel der Wirtschaft seit dem Beginn des Industriezeitalters. […] Statt weniger Eigentümer haben wir auf einmal hunderttausende oder gar Millionen Eigentümer. Die Energieversorgung bekommt eine Demokratisierung.“

 

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